REZENSION

Helmut Hetzel
unlimited

Eine Rezension von Clarissa-Diana de Grancy alias Diane d’Avignon

Über „UNGEFILTERT – UNZENSIERT“

Berlin, 30. September 2026

Eine Rezension von Clarissa-Diana de Grancy alias Diane d’Avignon

Über „UNGEFILTERT – UNZENSIERT“ (Helmut Hetzel) · Berlin, 30. September 2026

“Wunsch um Wünsche zu erlangen, schaue nach dem Glanze dort”, schreibt Goethe im Faust II. Helmut Hetzel stellt die Worte seinem Buch voran – und nimmt sie ernst. An Glanz fehlt es nicht in “UNGEFILTERT – UNZENSIERT” – an Brisanz auch nicht: Wollten wir nicht immer schon mal wissen, wessen Karriere Helmut Kohl lebenslang unterband und was die Wiedervereinigung damit zu tun hat? Ob alle Frauen käuflich sind und was den Dritten Weltkrieg auslösen könnte?

“Es werden zwar immer mehr Bücher gedruckt, aber es wird immer weniger gelesen”, sagt Markus Lüpertz, der Künstler. Helmut Hetzel ist das egal. Der Auslandskorrespondent weiß: Wenn etwas gelesen wird – dann sein neues Buch. Wer es nicht liest, wird jedenfalls nie erfahren, warum es bis heute kein Bild von Königin Máxima mit dem Königswein gibt, den der Verfasser von der fränkischen Winzerin Andrea Wirsching eigens für sie hatte abfüllen lassen.

Hetzel ist kein Geschichtenerzähler. Er fabuliert nicht – er erzählt Geschichte: ein ungeschminkter Blick auf die Welt hinter der Weltmeldung. Unerhörtes sieht der China-Kenner auf seinen Reisen zwischen Peking, Shanghai und Den Haag. Überraschendes, Skurriles und noch viel mehr erlebt er in den Salons und hinter den gepolsterten Türen der Macht. Man muss jemanden kennen, um hineinzukommen. Oder jemand sein. Nicht zu übersehen: Helmut Hetzel kann mit beidem dienen.

Off the record: Nicht immer gelingt alles. Die Königin fehlt. Ein Beweisfoto würden wir anschauen und vielleicht weiterblättern – über ein verbotenes Bild lässt sich berichten. Unzensiert, versteht sich. Und so macht der rastlose Wahlniederländer aus allem nicht nur das Beste, mehr noch, er macht das Exklusive daraus: Vom Champagner zum Oktoberfest, Europa stets im Blick, tänzelt das Buch durch vier Jahrzehnte Welt- und Politikgeschehen.

Multi-Aufsichtsrat André Leysen neben Norbert Elias, dem Sozialphilosophen. Marike van der Velden, Inhaberin des berühmten niederländischen Escort-Service, neben Angela Merkel – ein Florilegium der Gegensätze, der Paparazzi-Shots auf dem Boulevard und des Verweilens vor der Kunst; Kakerlaken in der Wanne, Elefanten im Weinberg und warum Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring uns mehr fesselt als seine Kopie – atemlos blättern wir weiter, gespannt, wen und was wir hier wohl als Nächstes entdecken. Und immer wieder ist es Helmut Hetzel selbst, den wir wiederfinden: in Leysen den Unternehmer, in Johannes “Jopie” Heesters den Lebemann, in Markus Lüpertz das Genie – jedenfalls seine Behauptung.

Das Nachwort zuerst zu lesen ist eine Idee. Von dort aus legt Hetzel ein neues Licht auf alles, was war. Mit zwei Zukunftsszenarien für Deutschland wird der kritische Beobachter zum Visionär. Zwischen Vollverschleierung und Dim Sum im Münchner Hofbräuhaus hält er alles für möglich. Einer, der zu lange mitansehen musste, wie die Bilder von gestern die Welt ins Wanken brachten – jetzt wirft er die Bilder von morgen selbst ins Da.

“Säume nicht, dich zu erdreisten. Alles kann der Edle leisten”, zitiert der Grandseigneur Goethe weiter. In der Tat, geleistet hat Helmut Hetzel viel, gewagt auch – vor allem eines: die Freiheit der Meinung. Was wir daraus lernen können, erhaschen wir auf 334 virtuos montierten Seiten. Zur rechten Zeit am rechten Ort ist Helmut Hetzel immer – und auf der richtigen Seite sowieso.

Königswein muss limitiert sein, ein Autor nicht. Durch Gerüchteküchen und Brandherde, über Geheimcodes und Grenzen hinweg – ganz am Ende stellt der Presseausweis ihm selbst das Testat aus: Helmut Hetzel – “unlimited”.


BoD · 334 Seiten · ISBN 978-3-695-17176-7