Über „Der Familienunternehmer-Code“ (Martin von Hirschhausen) · Berlin, 04. Oktober 2026
Der Tag danach beginnt wie immer: Die Belegschaft ist vollzählig, ein Kunde hat Fragen – allein Ihr Platz bleibt seltsam leer. Nicht, dass Sie tot wären – Sie sind es nur heute. Und hinter all dem steckt ein Mann, der nicht nur schreiben, sondern auch Finanzen kann: Martin von Hirschhausen. “Stellen Sie sich vor, Sie gibt’s nicht mehr”, hatte er Sie gefragt und Ihnen in die Augen geschaut: “Wer darf morgen unterzeichnen?”
Eine berechtigte Frage, denn was aus Ihrem Unternehmen wird, wenn Sie gestorben sind, interessiert nicht nur Banken. Die gesamte Familie, die Mitarbeitenden und Lieferanten – sie alle interessiert es auch. Probesterben ist wie Eisbaden: Hinterher ist man wacher. Was läuft gut, weil alles geregelt ist? Was funktioniert nur, weil es Sie gibt, Sie höchstselbst – die Patriarchin, den Gründer, den Visionär?
Wer wissen will, was Probesterben in letzter Konsequenz bedeutet und was die Hirschhausen-Methode essentiell werden lässt, der greife zum Buch: “Der Familienunternehmer-Code” passt in jede Handtasche. Nicht umsonst ist er in der essentials-Reihe von Springer Gabler erschienen. Die Kapitel sind kurzweilig, die Bulletpoints griffig – und wer Beraterfolien kennt, findet sich im Nu zurecht.
Familienunternehmer-Code, Hirschhausen-Methode, Unternehmer-RAD – und EIS gibt es oben drauf. Man sucht nach der Legende, schon geht es weiter: innehalten, analysieren, Ziele definieren, umsetzen – jede Aufgabe bekommt ihr Motto. Strategie braucht “Leitplanken”, Innovation den “Spagat”, und Vermögen, selbstverständlich, ein “Chancen-Risiko-Profil”. Das wichtigste “Kapital”: die Mitarbeitenden. Man kennt sich aus – so gut, dass man zurückblättert: Hat man die Seite nicht gerade eben gelesen?
Einen eigenen Akzent setzt das Büchlein doch: Im Zentrum der Hirschhausen-Methode steht als Motor der Mensch. Der Macher hinter seinem Lebenswerk – sowas hört er gerne, der Unternehmer, und liest weiter – vor allem gibt es ja noch Eis: Der Autor erklärt es zum Grundnahrungsmittel. Drei Kugeln: Erdbeer, Vanille, Schoko? Weit gefehlt. Einfach, individuell, strategisch – so läuft der Umgang mit dem Kapital.
Wir nehmen die Kinderkugeln – für den Anfang. Sind wir zufrieden? Welche Werte leben wir? Was wollten wir immer schon einmal tun? Worauf kommt es an im Leben? Schon heute können wir bedauern, was morgen nicht mehr möglich ist – noch wäre Zeit, es zu tun.
Zukunft – oft ist sie kürzer als unsere Vergangenheit. Den Kindern bleibt mehr Zeit als uns. Ein frühes Vermögen macht nicht unbedingt freier. Ein Lebenswerk kann uns auch Bürde sein. Wer darf im Notfall entscheiden, wer verfügt über die nötigen Vollmachten, wer führt die Geschäfte weiter?
Hier wird das Büchlein konkret, zeigt die Verantwortung, die es, im besten Fall, zu übernehmen gilt: Zwei Söhne, seit Jahren entzweit, finden wieder zusammen. Das hat mit dem Patriarchen zu tun. (Er hat sich entschuldigt.) Ein Junge liebt Bagger – die eigentlichen Baustellen kommen später, wenn aus Sandkastenspielen bitterer Ernst und aus schwarzen Zahlen rote geworden sind. Martin von Hirschhausen kennt beide Gewerke: Als Banker half er Unternehmern beim Fundament – als Erfolgsbegleiter beim Ausbau.
Leben kommt ins Buch, wenn Hirschhausen aus dem Schließfach plaudert. Seinen Bankenbesuch mit dem Onkel werden wir so schnell nicht vergessen: Weiße Handschuhe öffnen Türen, frisch gebrühter Kaffee kommt in feinem Porzellan. Was dann passierte, war abzusehen, und doch darf dergleichen nicht sein. Auf welche Signale müssen wir bei sowas achten? Die Antwort würden wir sehr gerne lesen.
Im Schlussteil schaut auch nochmal der Beirat vorbei. In einem Unternehmerhandbuch darf er nicht fehlen. Wie finde ich einen, wird der Patriarch sich fragen – die Visionärin, der Gründer. Kein Problem, erfahren wir: Das erweiterte Netzwerk hilft bei der Besetzung und liefert den Perspektivwechsel gleich mit. Zum Glück muss guter Rat nicht teuer sein. Wie Unabhängigkeit dabei gelingen soll? Auch diese Antwort würden wir sehr gerne lesen.
“Zu guter Letzt” kommen alle noch einmal zusammen. Sparringspartner, Vertraute und Impulsgeber bringen Mehrwert an den Tisch – und so manches Tool, das hier Werkzeug heißt. Der Blick über den Tellerrand bleibt uns erspart. Dafür kommt die Zukunftsgestaltung in “XXL”.
Unsterblich macht uns das Büchlein nicht. Einen Impuls gibt es uns doch: Wer die Frage nach der Nachfolge für sich schon begraben glaubte, sollte sie spätestens jetzt wieder ans Licht heben. Unser Leben ist keine Generalprobe. Dann schon lieber Probesterben.
Springer Gabler · 72 Seiten · ISBN 978-3-658-49940-2